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Kennzahlen
Umsatzrückgang von 19% 
Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre
Im ersten Halbjahr 2009 waren alle Marktsegmente von Bucher Industries vom weltweiten Einbruch der Konjunktur betroffen. Der Umsatz nahm um 19%, währungsbereinigt um 13%, auf CHF 1 179 Mio. ab und der Auftragseingang brach mit 41% auf CHF 819 Mio. ein. Der Rückgang ist auf die Kreditkrise und den forcierten Abbau von Lagerbeständen bei unseren Kunden sowie in der gesamten Wertschöpfungskette zurückzuführen. Das Betriebsergebnis betrug CHF 59 Mio. und lag um CHF 73 Mio. unter dem Vorjahreswert. Das Konzernergebnis ging um 53% auf CHF 42 Mio. zurück. Für das ganze Geschäftsjahr 2009 rechnet Bucher Industries mit einem deutlich tieferen Umsatz, Betriebs- und Konzernergebnis. |
Massiver konjunktureller Rückgang
Die im vierten Quartal 2008 einsetzende Weltwirtschaftskrise setzte sich im ersten Halbjahr 2009 unvermindert fort und erfasste alle Marktsegmente von Bucher Industries. Selbst die bis Ende 2008 robuste Landtechnik war stark betroffen. Die restriktive Kreditvergabepraxis der Banken zur Finanzierung von Kundenprojekten, zusammen mit grossen Verschiebungen der Währungsrelationen, brachte die Investitionstätigkeit in Osteuropa und Russland praktisch zum Erliegen. Auch die Hauptmärkte in Westeuropa und Nordamerika konnten sich dem Abschwung nicht entziehen. Der abrupte Wechsel von starkem, anhaltendem Wachstum der Vorjahre zu einer weltweiten Rezession führte zu überhöhten Lagerbeständen bei Kunden und in den Vertriebsorganisationen. Dies schwächte die Nachfrage zusätzlich und führte zu hohem Wettbewerbsdruck infolge Abverkaufs der Lagerbestände. Hinzu kamen erhebliche Währungsverschiebungen zuungunsten des Schweizer Frankens insbesondere gegenüber dem britischen Pfund und dem Euro. Der Konzern reagierte mit Blick auf den Erhalt von Know-how und Substanz mit Augenmass und baute Kapazitäten gezielt ab. Ohne Berücksichtigung der Akquisitionen reduzierte der Konzern von Jahresbeginn bis Ende Juni 2009 die Personalkapazität um 13%. Dies entspricht 409 Fest- und 431 Temporärangestellten sowie einer Reduktion durch Kurzarbeit um 215 Vollzeitstellen. Trotz Rezession erhöhte Bucher Industries den Bestand der Lernenden gegenüber der Vorjahresperiode um 14%. |
Rückläufiger Geschäftsgang
Alle Divisionen und alle Regionen waren, wenn auch in unterschiedlichem Ausmass, vom Abschwung betroffen. Der Umsatz von Bucher Industries nahm im ersten Halbjahr 2009 um 18.7%, währungsbereinigt um 12.7%, auf CHF 1 178.9 Mio. ab. Der Akquisitionseinfluss betrug 7.7%. Der Auftragseingang war zusätzlich vom Abbau der hohen Lagerbestände der Kunden belastet und ging um 40.8% auf CHF 819.0 Mio. zurück. Bereinigt um Akquisitions- und Währungseffekte nahm der Auftragsbestand im Vergleich zur Vorjahresperiode um 35.2% auf CHF 509.1 Mio. ab. Die Bandbreite der Abnahme des Auftragsbestands der Divisionen lag zwischen 26% und 51%, wobei Bucher Hydraulics den grössten und Bucher Process den kleinsten Rückgang zu verzeichnen hatten. Das Betriebsergebnis von CHF 58.7 Mio. lag um 55.5%, das Konzernergebnis von CHF 41.8 Mio. um 53.2% unter dem Wert der Vorjahresperiode. Auf die Sicherung der Liquidität legte der Konzern besonderen Wert und reduzierte neben den Kapazitäten auch die Investitionen auf das notwendige, zukunftsgerichtete Mass. Die Investitionen betrugen CHF 27.1 Mio. gegenüber CHF 65.1 Mio. in der Vorjahresperiode. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung wurden trotz der schlechten Konjunkturlage um 6.3% auf CHF 38.8 Mio. erhöht. |
Gesicherte Finanzlage
Das Eigenkapital stieg im ersten Halbjahr 2009 um CHF 32.0 Mio. auf CHF 878.1 Mio. Die Eigenkapitalquote betrug 39.8%. Die Nettoverschuldung nahm im Vergleich zum Jahresende 2008 um CHF 257.2 Mio. auf CHF 367.8 Mio. zu. Dazu trugen insbesondere die Akquisition von Kuhn-Geldrop mit CHF 170.9 Mio., die Dividendenausschüttung von CHF 45.2 Mio. sowie der Anstieg des Nettoumlaufvermögens bei. Die Liquidität und die Finanzierung des Konzerns sind durch langfristige Bankdarlehen und kommittierte Kreditlinien im Umfang von rund CHF 700 Mio. gesichert. |
Kuhn Group
Im ersten Halbjahr 2009 hatten die Landwirte neben der Kreditverknappung auch mit stark fallenden Milchpreisen zu kämpfen, was die Investitionstätigkeit zusätzlich hemmte. Dadurch verschob sich der Produktemix von standardisierten Heuerntemaschinen mit grossen Serien hin zu grossen, in Kleinserien hergestellten Landmaschinen. Die Auswirkungen waren regional sehr unterschiedlich. Insbesondere kam die Nachfrage in den Wachstumsmärkten Osteuropa and CIS-Staaten praktisch zum Erliegen. In den USA reagierten die Landwirte schlagartig auf die Situation, was zu einem drastischen Einbruch der Nachfrage nach Heuernte- und Futtermischmaschinen führte. Zu hohe Vorsaisonbezüge und geringere Verkäufe der Händler liessen die Lagerbestände ansteigen und machten eine Anpassung der Produktionsplanung notwendig. Dank Akquisitionen steigerte die Division den Umsatz in Lokalwährungen um 6.2%; in Schweizer Franken nahm der Umsatz leicht um 1.1% auf CHF 600.8 Mio. ab. Akquisitions- und währungsbereinigt lag der Umsatz um 11.6% unter dem Vorjahreswert. Der Auftragseingang ging um 43.5%, währungs- und akquisitionsbereinigt um 52.0%, auf CHF 276.7 Mio. zurück. Das Betriebsergebnis von CHF 41.3 Mio. unterschritt den Vorjahreswert um 37.4%. Die Integration der zugekauften Bereiche Pflanzenschutzgeräte und Ballenpressen kam gut voran. Der Absatz mit Pflanzenschutzgeräten profitierte vom Kuhn-Händlernetz und lag trotz der schlechten Konjunktur über der Vorjahresperiode. Kuhn Group reduzierte im ersten Halbjahr 2009 ohne Berücksichtigung der Akquisition Ballenpressen die Personalkapazitäten um 12%. Die Division verfolgt in der zweiten Jahreshälfte eine vorsichtige Fabrikationsplanung zur Vermeidung überhöhter Lager in der Lieferkette. |
Bucher Municipal
Die Nachfrage nach Kommunalfahrzeugen schwächte sich im ersten Halbjahr 2009 deutlich ab. Am stärksten betroffen waren die Märkte Osteuropa und Russland. Private Betreiber von Kehrfahrzeugflotten investierten zurückhaltender als Kommunen, die erfreulicherweise einzelne Grossausschreibungen weiterverfolgten. Staatliche Konjunkturstützungsprogramme hatten bisher keinen Einfluss auf die kommunale Ausschreibungs- und Vergabepraxis. Das schwächere Marktumfeld führte zu einer Abnahme des Umsatzes um 23.5%, währungsbereinigt um 15.0%, auf CHF 215.5 Mio. Der Auftragseingang betrug CHF 211.2 Mio. und lag um 25.1% unter dem Wert der Vorjahresperiode. Der Markt für Winterdienstausrüstungen in Europa und Müllfahrzeuge in Australien blieb praktisch stabil und stützte den Geschäftsgang der Division. Das Betriebsergebnis von CHF 10.5 Mio. unterschritt das erste Halbjahr 2008 um 34.8%. Bucher Municipal reduzierte seit Jahresbeginn die Personalkapazitäten um über 8%. Im Jahr 2010 dürfte sich wegen erwarteter tieferer Steuereinnahmen bei den Kommunen das Geschäft mit Kommunalfahrzeugen eher nochmals abschwächen. Weitere Massnahmen zur Senkung der Kosten können deshalb nicht ausgeschlossen werden. |
Bucher Process
Das Geschäft mit Wein- und Fruchtsaftproduktionsanlagen war im ersten Halbjahr 2009 stark vom Abschwung und von fehlenden Folgeaufträgen für Grossprojekte gekennzeichnet. Die Division erzielte einen Umsatz von CHF 45.5 Mio., was einer Abnahme um 46.7%, währungsbereinigt um 43.7%, entsprach. Ohne Berücksichtigung des Grossauftrags der Vorjahresperiode lag der Umsatz um 25.3% unter dem Vorjahreswert. Der Auftragseingang sank um 34.7% auf CHF 61.7 Mio. Die Ende 2008 angekündigten, aber noch nicht freigegebenen Subventionen der Europäischen Union für Investitionen in die Weinproduktion wirkten sich in der ersten Jahreshälfte insbesondere in Frankreich negativ aus. Das Subventionsprogramm für die Periode 2010 bis 2013 im Betrag von EUR 600 Mio. wurde im Juni 2009 freigegeben und löst ein Investitionsvolumen von über EUR 1.5 Mia. aus. Die Division erwartet deshalb ab 2010 in allen Wein produzierenden Regionen der Europäischen Union eine starke Erholung der Nachfrage. Im Geschäft mit Fruchtsaftproduktionsanlagen hemmten die immer noch hohen Lagerbestände und die tiefen Weltmarktpreise für Apfelsaftkonzentrat die Investitionsbereitschaft. Das Betriebsergebnis von Bucher Process betrug minus CHF 3.7 Mio. gegenüber CHF 6.4 Mio. im ersten Halbjahr 2008. Zur Steigerung der Effizienz schloss die Divison zwei kleinere Werke für Weinproduktionsanlagen in Italien und Frankreich und integrierte diese Tätigkeiten im französischen Hauptwerk in Chalonnes. Im Geschäft mit Pressen für die Klärschlammentwässerung erhielt die Division neue Aufträge und stärkere Aufmerksamkeit für ihre Technologie. Die mit der Schliessung der Werke einhergehende Reduktion der Personalkapazitäten um 5% kommt in der zweiten Jahreshälfte zum Tragen. |
Bucher Hydraulics
Als Zulieferer von kundenspezifischen hydraulischen Systemlösungen war die Division besonders stark dem konjunkturellen Abschwung ausgesetzt, der alle Regionen von den USA über Westeuropa bis China praktisch gleichermassen erfasste. Die wichtigen Marktsegmente Baumaschinen litten am meisten, die Landmaschinen waren am wenigsten stark betroffen. Die hohen Lagerbestände in der gesamten Lieferkette verstärkten zusätzlich den Einbruch des Auftragseingangs. Der Lagerabbau ist noch nicht abgeschlossen. Dies dürfte in der zweiten Jahreshälfte jedoch der Fall sein. Der Umsatz von Bucher Hydraulics betrug CHF 170.9 Mio. und nahm um 36.9%, währungsbereinigt um 35.3%, ab. Der Akquisitionseinfluss betrug 1.3%. Der Auftragseingang lag mit CHF 134.4 Mio. um 49.6% unter der Vorjahresperiode. Im Branchenvergleich schnitt die Division jedoch besser ab. Das Betriebsergebnis ging um 72.9% auf CHF 10.4 Mio. zurück. Die Division reagierte auf den Abschwung mit gezielten Entlassungen und der Einführung von Kurzarbeit. Der Aufbau der Präsenz in Nordamerika wurde plangemäss vorangetrieben und in China wurden alle Aktivitäten in einem Werk bei Shanghai zusammengelegt. Seit Jahresbeginn reduzierte die Division Personalkapazitäten um mehr als 20%. |
Emhart Glass
Der Geschäftsgang der Division war gekennzeichnet von der erheblichen Zurückhaltung vieler Kunden bei Investitionen, insbesondere in Russland und Asien. Dies führte zu einigen Verzögerungen, Redimensionierungen und Annullierungen von Bestellungen für neue Glasbehälterformungsmaschinen. Der Umsatz betrug CHF 147.9 Mio. und lag um 28.3%, währungsbereinigt um 23.2%, unter dem rekordhohen Vorjahreswert. Das robuste Ersatzteilgeschäft lag auf dem Niveau der Vorjahresperiode. Der Auftragseingang nahm um 46.0% auf CHF 135.0 Mio. ab. Die Division erzielte ein Betriebsergebnis von CHF 5.6 Mio. gegenüber CHF 16.1 Mio. in der Vorjahresperiode. Emhart Glass reduzierte die Produktionskapazitäten in Schweden und den USA. Das Produktportfolio im unteren und mittleren Preissegment wurde ergänzt und die Industrialisierung der Herstellung von Behältern aus Hartglas im kontinuierlichen Betrieb fortgesetzt. Im ersten Halbjahr reduzierte die Division Personalkapazitäten um 12%. |
Aussichten 2009
Prognosen für das laufende Jahr bleiben äusserst unsicher. Die Entwicklung der Kreditvergabepraxis zur Finanzierung von Kundeninvestitionen sowie der Einfluss der hohen Defizite der öffentlichen Hand bleiben sehr schwierig einzuschätzen. Es scheint, dass sich der Rückgang der Nachfrage in den Hauptmärkten von Bucher Industries auf sehr tiefem Niveau stabilisiert hat. Darauf ausgerichtet werden im zweiten Halbjahr die Kapazitäten sowie die Kosten weiter reduziert. Positive Signale für die Geschäftstätigkeit von Bucher Industries wären eine Erholung der Milchpreise, ein Ende des Lagerabbaus sowie eine gelockerte Kreditvergabepraxis. Von den mittelfristigen Aussichten dieser und weiterer Faktoren hängen zum Jahresende Wertminderungen auf immaterielle Anlagen ab. Kuhn Group rechnet für das laufende Jahr mit einem tieferen Umsatz und deutlich reduzierter Profitabilität. Bucher Municipal erwartet einen deutlich tieferen Umsatz und eine geringere Profitabilität. Bucher Process geht von einem deutlich tieferen Umsatz und, trotz des saisonalbedingten Verlusts per Mitte Jahr, von einem positiven Betriebsergebnis aus. Bei Bucher Hydraulics dürfte im Berichtsjahr keine Trendwende eintreten und die Division geht von einem Umsatz und Betriebsergebnis auf deutlich tieferem Niveau aus. Emhart Glass erwartet einen deutlich tieferen Umsatz und eine reduzierte Profitabilität. Bucher Industries rechnet deshalb für 2009 mit einem Umsatz, Betriebs- und Konzernergebnis deutlich unter dem Vorjahr.
Niederweningen, 11. August 2009
Kurt E. Siegenthaler
Präsident des Verwaltungsrats
Philip Mosimann
Vorsitzender der Konzernleitung |
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